Madagaskar - Infrastrukturen und Kleinkredite allein genügen nicht. Ohne eine Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Praktiken sind nachhaltige Veränderungen nicht möglich.
Vor dem neuen Gemeinschaftsspeicher von Soamonina, einem Dorf der Gemeinde Ambohidranandriana, haben sich BäuerInnen versammelt, um aufmerksam an einer Informationsveranstaltung zu den Themen Ernährungssicherheit, ausgewogene Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft teilzunehmen. Diese Veranstaltungen, die in allen am Programm beteiligten Dörfern durchgeführt werden, erreichten innerhalb eines Jahres mehr als 1‘600 Personen! Sie bilden den Auftakt zu einer Reihe von vertiefenden Schulungen, die darauf abzielen, die fachlichen Kompetenzen der Teilnehmenden zu stärken und ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Das Interesse und das Engagement der Anwesenden sind deutlich spürbar. Angesichts geringer Erträge und oft schwieriger Lebensverhältnisse stellen diese Weiterbildungen eine echte Chance dar, neue Perspektiven zu öffnen und positive Veränderungen anzustossen.
Die AusbildnerInnen bieten ein breites Spektrum an praxisorientierten Fachschulungen an. Von der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit über den Reisanbau nach der SRIMethode (Système de Riziculture Intensive) bis hin zu verbesserter Geflügelhaltung, Schweinezucht und Bienenzucht, haben diese Schulungen schon 409 Personen ermöglicht, neue Kompetenzen zu erwerben und produktivere sowie nachhaltigere landwirtschaftliche Methoden anzuwenden. Die positiven Veränderungen sind bereits vor Ort sichtbar. Marie Georgette Razafindramary berichtet: „Ich konnte einkommensschaffende Aktivitäten entwickeln, die den konkreten Bedürfnissen meiner Familie entsprechen. Die Schulungen waren auf unsere alltägliche Lebensrealität abgestimmt. Neben dem theoretischen Wissen erhielten wir auch Saatgut, sodass wir die neu erlernten Techniken direkt in die Praxis umsetzen konnten.“
Um diese Veränderungen nachhaltig in den Gemeinschaften zu verankern, stützen sich unser strategischer Partner und die Ausbilder auf ein Netzwerk von 33 zuvor ausgewählten und geschulten MultiplikatorInnen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Bäuerinnen und Bauern bei der Einführung neuer Anbaumethoden zu begleiten. Dabei nutzen sie die Demonstrationsflächen rund um die Gemeinschaftsspeicher sowie ihre eigenen Gärten, die zu echten Lern-, Demonstrations- und Experimentierorten für an die lokalen Gegebenheiten angepasste landwirtschaftliche Innovationen geworden sind. Über ihre technische Funktion hinaus sind diese Standorte so konzipiert, dass sie langfristig selbsttragend und nachhaltig bestehen können. Durch einkommensschaffende Aktivitäten wie die Herstellung organischer Düngemittel, die Vermehrung von verbessertem Saatgut oder die Bienenzucht sichern sie schrittweise ihren eigenen Unterhalt und ihre langfristige Funktionsfähigkeit. Dieser Ansatz des Lernens am Vorbild zeigt bereits erste Erfolge, etwa durch die Übernahme der Mulchtechnik.
Doch noch ist nicht alles erreicht. Einige staatliche Akteure fördern teilweise weiterhin den Einsatz synthetischer Betriebsmittel und stehen damit im Widerspruch zu den Grundsätzen einer nachhaltigen Landwirtschaft. Umso wichtiger bleibt die Rolle der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. In den kommenden zwei Jahren muss ihre Begleitung fortgesetzt und weiter ausgebaut werden.
Xavier Mühlethaler

